Review: Shibuya Station – Always Waiting At Shibuya Station

Artikelbild: Review – Shibuya StationShibuya Station funktioniert als ein rein analoges Synthesizer-Projekt. Es erlangt seine Inspiration aus der Synthesizer-Musik der späten 70er- und frühen 80er-Jahre. Geschickt zwischen damaliger elektronischer Popmusik und Ideen des Minimal Wave lancierend, versprühen die abwechslungsreichen Kompositionen auf dem Album Always Waiting at Shibuya Station ihren nostalgischen Charme.

Die Bedeutung von Shibuya Station

Hinter Shibuya Station verbirgt sich Marc Schaffer (aka solitude fx, Endphase, Twins Natalia), welcher sich zudem als Gründer der Labels Anna Logue Records und Nadanna eine Namen gemacht hat.

Der Bandname selbst bezieht sich auf Hachikō: jenem bekannten Hund, der nach dem Tod seines Besitzers über neun Jahre lang am Shibuya-Bahnhof ausharrte und auf die Rückkehr des Verstorbenen wartete. Er gilt in Japan und darüber hinaus als Inbegriff von Treue und Freundschaft, seine Geschichte prägt sich, einmal vernommen, schnell ein.

Re-Inszenierung elektronischer Musik der Pionierzeit

Schon nach wenigen Minuten Hörerlebnis zeigt sich, wie sehr der Protagonist von den elektronischen Klängen der späten 70er- bis frühen 80er-Jahre beeinflusst ist. Nicht nur der kreative Prozess jener Zeit steht Pate, die Hardware selbst nimmt einen immensen Raum ein. M. Schaffer lässt dem individuellen Klang der genutzten Synthesizer immer wieder ihren verdienten Raum.

So kommen als Instrumente zum Beispiel Amdek Percussion Synthesizer PCK-100, Boss Voice Transformer VT-1, Casio VL-1, Crumar Performer, DSI Mopho, Korg KR-55B, Korg MS-20, Moog Little Phatty, Moog Voyager, Novation Bass Station II, Oberheim DPX-1, Roland CR-78, Roland SH-2, Yamaha CS01, und VST-Synthesizer ARP Odyssey oder Korg MS-20 zum Einsatz.

Analoge Treue

Jene Treue, die Hachikō verkörpert, leben Shibuya Station auch in Hinblick auf die analoge Klangerzeugung aus. Daher stellt Always Waiting At Shibuya Station für Fans vo Charaktersounds ohne Zweifel einen reichen Fundus an stilistischen Präferenzen und Erinnerungen dar.

Track by track

Zu Beginn beschreibt Always Waiting das Warten auf das niemals zurückkehrende Herrchen, und zwar ebenso eindrücklich wie leidend-organisch. Samples reichern den instrumentalen Track an, sie verdinglichen die Hingabe des ewig treuen Gefährten.

Zackiger kommt Dream Within A Dream daher. Im poppigen Arrangement bahnt sich ein gefühlvoller Vortrag seinen Weg. Die Nostalgie der Klänge harmoniert ideal mit den Vocals, die bei dieser Nummer von Raphael Orpheo Weidelt stammen und fast an Deine Lakaien gemahnen. Fans des Genres Minimal Wave werden den Track vermutlich schnell fühlen, gerne in der Zeit zurückgehen und ihren Traum im Traum leben.

Ruhe und Nachdenklichkeit bestimmen hingegen Copine Froide: Das Instrumental setzt selbsterklärende Sounds in Szene – es vermittelt eine kleine Klangmalerei für Kenner.

Im Kontrast dazu wartet Madness mit Temperament und eindringlichem Gesang von Kristal Ann auf. Auf Basis dezent verspielter Strukturen betonen analoge Flächen und die weiblichen Vocals vor allem menschliche Emotionen im analogen Klangkosmos – ein Höhepunkt von Always Waiting At Shibuya Station.

Nach der eleganten – fast schon an Tangerine Dream erinnernden – Adaption von Zigeuner Am Klavier mit ihrem gefühlvollen Pianospiel, beendet das französischsprachige Danse Dans Les Grottes die Reise on jene Zeit, in der elektronische Musik eine Frage von Pioniergeist, Charakter und Handarbeit war.

Fazit: Retrofans aufgepasst: Ohne Zweifel bedient Marc Schaffer auf Always Waiting at Shibuya Station eine Zielgruppe, welche den Charme alter elektronischer Klänge schätzt und sich gerne in die Phase der späten 70er- / frühen 80er-Jahre versetzen lässt. Charakteristika der verwendeten Maschinen und Instrumente prägen das Album ebenso wie das verklärend-kompositorische Geschick. Always Waiting at Shibuya Station wirkt oft in gefälliger Weise wehmütig, aber niemals anbiedernd, wohl aber gnadenlos nostalgisch. Ein Nischenwerk für Kenner.

Wertung: 7.5 von 10 Punkten (7.5/10)

Always Waiting at Shibuya Station Releaseinfos

Interpret: Shibuya Station
Release: Dezember 2022
Stil: Analoger früher Synthiepop / Minimal Wave

Tracklisting:

01. Always Waiting 01:52
02. Dream Within A Dream 04:47
03. Copine Froide 04:50
04. Madness 04:20
05. Zigeuner Am Klavier (Interpretation) 03:50
06. Danse Dans Les Grottes 04:20



 
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